(Mag. Heimo Hergan)
Vorbemerkung: Der Begriff Schüler soll im folgenden der Einfachheit halber gleichbedeutend auch für Schülerinnen gelten. Ich bitte für diese Vereinfachung um Verständnis.
Ziel: Die Schüler sollen erkennen, dass
der gleiche Vorgang zu unterschiedlichen Messergebnissen führen kann. Außerdem sehen
sie, dass die unterschiedlichen Messergebnisse zusammen weitere Aussagen über den
Messvorgang und das Messprinzip zulassen.
Statistische Begriffe wie Mittelwert, Standardabweichung, Häufungswerte, Bandbreite usw.
gewinnen anschaulich Bedeutung in der Vorstellungskraft der Schüler.
Durchführung: Alle Schüler erhalten Stoppuhren oder verwenden die Stoppfunktion der eigenen Armbanduhr. Der Lehrer lässt eine Kugel über den Tisch rollen, sodass sie am Ende hinunterfällt. Die Schüler messen die Zeit vom Verlassen der Tischplatte bis zum Aufprall am Boden. Der Vorgang wird mehrmals gemessen, die verstrichene Zeit für den Fallvorgang notiert. Auf diese Weise erhält man schnell mehr als 100 Messwerte des Fallvorgangs. Über die Durchführung, die Messergebnisse, die Vermutungen und ihre Erklärungen führen die Schüler Protokoll.
Auswertung: Zuerst sichten die Schüler
ihre eigenen Messergebnisse. Einzelne aus der Reihe tanzende Messwerte werden als
sogenannte Ausreißer markiert.
Der Lehrer erkundigt sich nach dem kleinsten bzw. größten vorkommenden Messwert und
gestaltet an der Tafel (oder noch besser auf Folie) eine "Klasseneinteilung" der
Messwerte (je nach Platz und Lust zum Aufwand kann die Klassenbreite 0,05s oder 0,1s
betragen). Danach werden alle Messwerte den Klassen zugeordnet und eingetragen. Wenn man
darauf achtet, dass einheitliche Zeilenabstände eingehalten werden, ergibt sich
automatisch ein Säulendiagramm, das die absolute Häufigkeit der jeweiligen Klasse
darstellt. Auf einen Blick lassen sich auftretende Häufungen und deren Breite
(benachbarte Klassen) erkennen.
Anschließend wird gemeinsam der Mittelwert berechnet. Häufig zeigt sich, dass Mittelwert
und Häufungswert nicht unbedingt zusammenfallen. Das wirft die Frage nach dem "Was
trifft eher zu" auf.
Einige Spezialisten schaffen es mitunter, gleichzeitig mittels der statistischen
Funktionen des Taschenrechners die Standardabweichung zu berechnen. Andernfalls wird die
Berechnung mühselig und sprengt sicherlich den Rahmen einer Unterrichtsstunde.
Kontrolle: Der Vergleich mit den Fallzeiten, gemessen mit einem Kugelfallgerät, oder zur Not mit einem errechnet Sollwert (den die Schüler meist auch dann akzeptieren, wenn man ihnen die Formel noch nicht erklärt hat) zeigt, dass die ermittelten Werte mehr oder weniger deutlich vom "objektiven" Wert abweichen. Fast immer ist der Mittelwert der von den Schülern gemessenen Zeiten kürzer! als die automatisch gemessene.
Weitere Möglichkeiten:

die Reaktionszeit bei erhöhter Konzentration errechnen.
Diese Messung ruft fast immer größten Eifer bei den Schülern hervor.
Schlussbemerkung: Wie sich zeigt, lässt sich praktisch die gesamte Physik der Translation auf diese Messreihe aufbauen. Die Handelnden sind praktisch durchgehend die Schüler.
Ich hoffe, dass Sie mit dieser oder einer ähnlichen
Unterrichteinheit genauso viel Spaß haben wie ich mit meinen Schülern.
Ich freue mich aber über jede Anregung zum weiteren Ausbau derselben unter meiner
email-Adresse hhergan@hasnerpl.asn-graz.ac.at
.